EdTech Research Forum 2023 – Austausch zu gelingendem Transfer zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis

Am 31. August 2023 fand an der Universität Duisburg-Essen das diesjährige EdTech Research Forum mit dem Schwerpunkt „Gestaltende Bildungsforschung“ statt. Im Rahmen eines Workshops wurde auch die Arbeit des Kompetenzverbund lernen:digital vorgestellt und der Austausch mit den Teilnehmenden aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Bildungsverwaltung gesucht.

Neben der Vorstellung des Kompetenzverbunds und seiner Strukturen, wurde in kleinen Diskussionsrunden die Frage diskutiert, unter welchen Bedingungen Transfer aus der jeweiligen Perspektive gelingt, um mögliche Synergien zu finden. Die interaktive Session förderte gemeinschaftliche wahrgenommene Herausforderungen zutage und bietet damit spannende Anknüpfungspunkte für die weitere Arbeit der lernen:digital Transferstelle.

Laut den Teilnehmenden brauche es neben Offenheit und Bereitschaft zur Gestaltung und Umsetzung von Transfer auch entsprechende institutionalisierte Anreizsysteme, Strukturen und Rahmenbedingungen, um Räume für die Gestaltung von Transfer zu schaffen. 

Im Hinblick auf eine erfolgreiche Kommunikation wurde die Relevanz einer gemeinsamen Sprache sowie eines gemeinsamen Transferverständnisses aller beteiligten Akteur:innen hervorgehoben. Für die erfolgreiche Gestaltung von Transfer benötige es einen Prozess auf Augenhöhe aller Beteiligten und die Einbeziehung der Praxis in den gesamten Forschungsprozess. Auf diese Weise ließe sich bestmöglich gewährleisten, dass Inhalte bedarfsgerecht erarbeitet und nicht an den Bedürfnissen des Schulalltags „vorbeientwickelt” werden. In der abschließenden gemeinsamen Diskussion wurden zudem auch problematische Rahmenbedingungen thematisiert, so etwa die ungleiche Verteilung von Ressourcen der beteiligten Akteur:innen.

Community Calls des Forum Bildung Digitalisierung in Kooperation mit dem Kompetenzverbund lernen:digital

Niedrigschwelliger Austausch zu zentralen Themen und Herausforderungen im Bildungssystem – das haben sich die Community Calls des Forum Bildung Digitalisierung zum Ziel gesetzt. In den nächsten vier Monaten wird im Rahmen einer Kooperation mit lernen:digital nun ein genauer Blick auf die Themen des Kompetenzverbunds geworfen und damit eine Möglichkeit zum Dialog rund um die digitale Transformation von Schule und Lehrkräftebildung gegeben.

„Schnittstellen stärken” – Fokus auf Transfer in der Lehrkräftebildung im September

Den Start der Kooperation stellt eine Veranstaltung am 13. September 2023 unter dem Titel „Schnittstellen stärken: Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis in der Lehrkräftebildung” dar. Innerhalb dieses Community Calls werden Gelingensbedingungen für den erfolgreichen Transfer von digitalisierungsbezogenen Inhalten zwischen Wissenschaft und Praxis identifiziert. Darüber hinaus wird diskutiert, welche institutionellen Rahmenbedingungen und Netzwerke es dafür braucht. 

Die Gestaltung des Transfers zwischen Wissenschaft und Praxis ist ein zentrales Anliegen des Kompetenzverbund lernen:digital, weshalb Dirk Richter, wissenschaftliche Leitung der lernen:digital Transferstelle, erklärt, wie diese den systematischen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis garantiert. Außerdem dabei ist Regina Schulz, Lehrkraft und zudem im Projekt Digital and Data Literacy in Teaching Lab (DDLitLab) an der Universität Hamburg tätig. Als dritte Gästin berichtet Johanna Marder aus dem Bereich Wissenschaftstransfer des Instituts für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW), wie das IBBW den Transfer zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis, -politik und -verwaltung unterstützt. 

Zur Anmeldung für den Community Call „Schnittstellen stärken: Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis in der Lehrkräftebildung” am 13. September 2023. 

Ausblick auf die weiteren Veranstaltungen 2023

Nach der Ausgabe im September finden in diesem Jahr noch drei weitere Community Calls in Kooperation zwischen dem Forum Bildung Digitalisierung und lernen:digital statt. 

Am 12. Oktober sprechen der Lehrer und Fortbildner Joscha Falck, Katrin Grün von der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen und Dirk Richter über Qualitätsmerkmale, Bewertungskriterien und Auswertungsmöglichkeiten für wirksame (digital gestützte) Fort- und Weiterbildungen.

Am 9. November widmet sich der Community Call veränderten Fachdidaktiken und Qualitätsmerkmalen von digital gestütztem Lernen und Unterrichten. Der Lehrer und Fortbildner Kai Wörner und Volker Frederking, Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Sprecher des lernen:digital Kompetenzzentrum Musik/Kunst/Sport, diskutieren darin, wie sich Lehr-Lern-Prozesse im Zuge der digitalen Transformation in einzelnen Fächern verändern.

Der letzte Community Call des Jahres am 7. Dezember beschäftigt sich mit dem Themenfeld „Künstliche Intelligenz und adaptives Lernen”. Tim Fütterer vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung und Andreas Lachner, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Lehren und Lernen mit digitalen Medien sowie wissenschaftliche Leitung des lernen:digital Projektverbunds MINT-ProNeD, gehen den Fragen nach, wie adaptiver Unterricht von dem Einsatz von KI profitieren kann und wie adaptive Fortbildungen für Lehrkräfte gestaltet werden können. 

Community Calls des Forum Bildung Digitalisierung

Die Community Calls des Forum Bildung Digitalisierung sind ein niedrigschwelliges, digitales Austauschformat, das im Frühjahr 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie entstanden ist. Ziel des Online-Veranstaltungsformates ist es, Akteuren aus Bildungspraxis, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft einen Raum für Vernetzung und den Austausch zu unterschiedlichen Themen und aktuellen Fragestellungen, Herausforderungen und Learnings im System Schule zu bieten. Hier geht es zu Aufzeichnungen der Community Calls aus der Vergangenheit.

Im Dialog mit… Andreas Lachner

Biografie

Andreas Lachner ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Lehren und Lernen mit digitalen Medien sowie Co-Director des Tübingen Center for Digital Education. Zudem ist er operativer Leiter des Projekts „Digitalisierung in der Lehrerbildung (TüDiLB)“, einem Verbund der Universität Tübingen und des Leibniz-Instituts für Wissensmedien. Seine Forschungsaktivitäten umfassen die Förderung (meta-)kognitiver und motivationaler Lernprozesse bei der Nutzung digitaler Medien sowie die Integration digitaler Medien in fachspezifischen Unterrichtsszenarien bspw. in adaptivem Unterricht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Professionalisierungsstrategien im Kontext digitaler Medien, insbesondere auf der Beschreibung und Förderung der professionellen Kompetenzen von Lehrpersonen.

Im Dialog mit …

Prof. Dr.
Andreas Lachner

Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Lehren und Lernen mit digitalen Medien an der Universität Tübingen und Co-Director des Tübingen Center for Digital Education

Was ist das Besondere am Kompetenzverbund lernen:digital?

Das Besondere am Kompetenzverbund lernen:digital ist für mich, dass Forscher:innen und Praktiker:innen aus ganz Deutschland zusammenkommen, um digitale Bildung voranzubringen. Die beteiligten Akteur:innen bringen unterschiedliche Expertisen, Sichtweisen und Erfahrungen mit großer Bandbreite ein, damit digitale Bildung breit gedacht und aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden kann. Damit hoffen wir, einen systematischen Beitrag für digital gestütztes Lehren und Lernen zu leisten.

Welche Perspektive bringen Sie mit Ihrer Einrichtung ein?

Am Standort Tübingen beschäftigen wir uns unter anderem mit der Professionalisierung von Lehrkräften im Kontext digitaler Bildung sowie der didaktisch begründeten Integration digitaler Bildungstechnologien. Damit bringen wir Expertise zu zwei wichtigen Aspekten in den Kompetenzverbund ein:

  1. Wie können digitale Bildungstechnologien didaktisch begründet im Unterricht eingesetzt werden?
  2. Welche Bedingungen müssen auf Ebene der Lehrkräfte für eine erfolgreiche Technologieintegration gegeben sein? 

Zudem sind wir seit knapp drei Jahren in Transferaktivitäten aktiv, um Erkenntnisse aus der Forschung für die Praxis aufzubereiten und zugänglich zu machen. Hierzu haben wir das Informationsangebot TüDi-Base aufgebaut, welches im Rahmen von lernen:digital systematisch erweitert wird.

Was verstehen Sie unter gelungenem Transfer und was braucht es dafür?

Transfer muss meiner Meinung nach auf Augenhöhe passieren. Es wurde zu lange in Form eines Wasserfalltransfers von der Forschung in die Praxis gedacht. Doch auch wir Forschende profitieren stark von der Expertise und Erfahrung aus der Praxis. Ich denke daher, dass gleichberechtigte, ko-konstruktive Transferformate ein Schritt in die richtige Richtung sein können, um gelingenden Austausch zu ermöglichen.

Im Dialog mit… Isabell van Ackeren-Mindl

Biografie

Isabell van Ackeren-Mindl leitet an der Universität Duisburg-Essen (UDE) die AG Bildungsforschung. In der Fakultät für Bildungswissenschaften, Institut für Erziehungswissenschaft, hat sie eine Professur für Bildungssystem-/Schulentwicklungsforschung. Die Themen „Digitalisierung“ sowie „Schulen in herausfordernden Lagen“ stellen Schwerpunkte dar. An der UDE hat van Ackeren-Mindl unter anderem das Projekt „Communities of Practice NRW für eine innovative Lehrerbildung“ in der Qualitätsoffensive Lehrerbildung als Verbund aller zwölf lehrerbildenden Standorte in NRW geleitet. Als Mitglied der Ständigen wissenschaftlichen Kommission der KMK ist sie ebenfalls mit Fragen der Digitalisierung befasst.
 

Im Dialog mit …

Isabell van Ackeren-Mindl

Prof. Dr.
Isabell van Ackeren-Mindl

Professorin für Bildungssystem-/Schulentwicklungsforschung, Mitglied der Steuerungsgruppe der lernen:digital Transferstelle

1. Was ist das Besondere am Kompetenzverbund lernen:digital?

Für mich ist es das Potenzial und Anliegen des Kompetenzverbund lernen:digital, im systematischen, an den Schüler:innen orientierten Dialog zwischen Akteur:innen der Wissenschaft, Praxis und Bildungsadministration einen Beitrag dazu zu leisten, Lehrkräftebildung, Schule und Unterricht für die digitale Welt zu transformieren. Es gilt daher auch, eine Idee zu entwickeln, wie fachbezogene und überfachliche Entwicklungs- und Transferstrukturen im Bereich der Digitalisierung in den Ländern und über die Ländergrenzen hinweg dauerhaft gestaltet werden können.

2. Welche Perspektive bringen Sie mit Ihrer Einrichtung ein?

An der Universität Duisburg-Essen haben wir bereits Erfahrung bei der Gestaltung größerer, auf Ko-Konstruktion ausgerichteter Forschungs- und Entwicklungsprojekte.  Daher wissen wir um die Chancen und Herausforderungen, unterschiedliche Systemlogiken in länderspezifischen und regionalen Kontexten zu durchdringen und gewinnbringend aufeinander zu beziehen. Inhaltlich richten wir unseren Blick erstens auf die Entwicklung von Schule als Organisation und tragen dazu bei, bundesweite Expertise zusammenzuführen. Zweitens untersuchen wir die verschiedenen Multiplikator:innen im Fortbildungssystem, denen beim Transfer eine besondere Rolle zukommt.

3. Was verstehen Sie unter gelungenem Transfer und was braucht es dafür?

Wissenschaftlich fundierte Bildungsinnovationen sollten mit und in der Praxis erprobt werden. Sie sollten über Ländergrenzen hinweg und im Austausch mit den beteiligten Akteur:innen so aufbereitet und niedrigschwellig zur Verfügung gestellt werden, dass sie in verschiedenen Lernsettings entwicklungs- und lernförderlich genutzt werden können. Dabei sind die bestehenden Strukturen im Schulsystem mit einzubeziehen, so z. B. die Pädagogischen Landesinstitute. Zudem kommen Strategien und Konzepten auf Ebene der Einzelschule für nachhaltig wirkenden Transfer im Kollegium eine besondere Rolle zu.